Abstracts

Frühe Hilfen für alle!? – Inklusion von Anfang an

Abstracts zu den Vorträgen und parallel laufenden Workshops

Frühe Hilfen auf dem Weg zu einem inklusiven Angebot – Stolpersteine und Gelingensbedingungen

Professorin Dr. Karin Böllert

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„Bist du behindert, oder was?“ Wie wir Familien inklusiv und ableismussensibel stärken können

Mareice Kaiser

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden”, so steht es im Grundgesetz. Menschen mit Behinderungen und ihre Familien wissen jedoch, dass sich an diese Regel nicht alle halten. Behinderte Menschen werden oft benachteiligt und zwar von Anfang an, bereits in der Schwangerschaft. Was brauchen Familien mit und ohne Behinderungen für ein gutes Leben? 

Mareice Kaiser spannt einen Bogen vom positiven Schwangerschaftstest bis zur Schule und spricht über das Leben von Kindern und Familien, wenn zur Geburt niemand gratuliert.
 

Zur Person:

Mareice Kaiser arbeitet als freie Journalistin, Autorin und Moderatorin. Auf dem von ihr gegründeten Blog „Kaiserinnenreich" berichten pflegende Eltern von ihren Perspektiven auf Teilhabe und Inklusion. Gemeinsam mit Rebecca Maskos schrieb sie das Buch „Bist du behindert, oder was? Kinder inklusiv stärken und ableismussensibel begleiten“. Seit Anfang 2025 spricht Mareice Kaiser gemeinsam mit Josephine Apraku im Podcast über das, was wir alle brauchen: „Revolution und Ferien“.

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WS 1: Das Recht auf Elternschaft - Möglichkeiten der Begleitung von Eltern mit Lernschwierigkeiten

Kadidja Rohmann & Sima Iraji

Das Recht auf Elternschaft gilt für alle. Für viele Menschen, die als geistig behindert gelten, ist die Umsetzung dieses Rechts jedoch nicht selbstverständlich. Sie stoßen nach wie vor auf institutionelle und gesellschaftliche Barrieren, wenn es darum geht, Familie zu leben. Auch Fachkräfte sind oftmals verunsichert und stehen vor Herausforderungen und Fragen: Welche Unterstützungskonzepte und Methoden gibt es? Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen einer Begleiteten Elternschaft? Wie ist die Situation der Kinder?

Der Workshop gibt Informationen und bietet die Möglichkeit, sich auszutauschen sowie die eigene Haltung zur Elternschaft von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu reflektieren.

Zu den Personen:

Kadidja Rohmann, Diplom- und Sexualpädagogin, Bremen; arbeitet seit über 20 Jahren in der ambulanten Unterstützung von Eltern mit Lernschwierigkeiten und ihren Kindern bei der Lebenshilfe Bremen. Sie ist Fachberaterin zum Schutz vor Gewalt, tätig in der Sexuellen Bildung und gibt bundesweit Fortbildungen zur Begleiteten Elternschaft.

Sima Iraji, Sozialpädagogin, Bremen; arbeitet seit 3 Jahren in der ambulanten Unterstützung von Eltern mit Lernschwierigkeiten und ihren Kindern bei der Lebenshilfe Bremen. Davor hat sie bei der Lebenshilfe Gießen über 1 Jahr in einer teilstationären Einrichtung für Eltern mit Lernschwierigkeiten und ihren Kindern gearbeitet.

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WS 2: „Habt ihr das vorher gewusst?“ – die Elternperspektive

Tina Wilson

Eine Aussage, die viele Eltern von Kindern mit (drohender) Behinderung kennen.

Was macht das mit den Familien? Wo finden Erziehungsverantwortliche von Kindern mit (drohender) Behinderung parallel zum medizinisch-therapeutischen Setting einen Raum für ihre sonstigen Familienthemen? Was wünschen sich diese Familien?

In diesem Workshop richten wir unseren Blick auf die Bedeutung der Frühen Hilfen als inklusiven Erfahrungsraum. Wir erarbeiten, wie Zugangsbarrieren für Kinder mit (drohender) Behinderung und ihre Familien in und durch die Frühen Hilfen gesenkt werden können und tragen erste Schritte zur inklusiveren Ausgestaltung der Angebote zusammen.

Zur Person:

Tina Wilson, 

Dipl.-Sozialpädagogin, Verfahrenslotsin, Mutter einer Tochter mit Trisomie 21, 10-jährige Tätigkeit in den Frühen Hilfen.

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WS 3: Frühförderung und Frühe Hilfen: zwei Blickwinkel – ein gemeinsames Ziel

Ruth Enste

Der Workshop gibt einen Einblick in zwei zentrale Unterstützungsangebote für Familien in den ersten Lebensjahren: Während Frühförderung sich an Familien mit Kindern mit Entwicklungsverzögerungen, Behinderung und/oder drohender Behinderung richtet, bieten Frühe Hilfen Beratung und Begleitung für Familien in belasteten Lebenslagen.

Im Workshop werden die Ansätze und Angebote der Frühförderung vorgestellt und analysiert, wo Gemeinsamkeiten und Schnittstellen, aber auch Unterschiede zwischen den beiden Systemen bestehen. Diskutieren wollen wir die Frage, wie zukünftig eine noch engere Zusammenarbeit und Vernetzung von Frühförderung und Frühe Hilfen gelingen kann – mit dem Ziel Kinder und Familien frühzeitig zu unterstützen und allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen.

Zur Person:

Ruth Enste

Heilpädagogin und Systemische Therapeutin

Von 1994- 2021 Mitarbeiterin in der Frühförderung von Haus Mignon. Ab 2001 – 2021 Leitung Frühförderung und Vorstand im Haus Mignon. Über viele Jahre regelmäßige Seminare gehalten und dasFortbildungsangebot im Haus Mignon mit aufgebaut. Seit 2022 im Ruhestand weiterhin tätig in Angeboten von Seminaren.

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WS 4: Armut und Behinderung in einer Familie: Herausforderungen erkennen, Ressourcen stärken

Anna Franze

Armut und Behinderung sind auf verschiedene Arten miteinander verwoben: Armut wirkt sich auf die Gesundheit aus und kann so auch zur Chronifizierung von Krankheiten beitragen und zu Behinderung führen. In unserem Sozialsystem kann die Behinderung eines Kindes wiederum zu (stärkerer) Familienarmut führen. Umgekehrt erschwert Familienarmut das Leben mit einem behinderten Kind massiv. Dies kann bei den betroffenen Eltern zu Stress, Überforderung, Isolation und Verzweiflung sowie zu Teufelskreisen führen und die Frühen Hilfen besonders herausfordern.

Im Workshop werden zunächst Fallbeispiele gesammelt, auf die wir uns während des Workshops immer wieder beziehen können. Weil Ressourcen der Schlüssel zur Lebensbewältigung gerade in Armutslagen sind, wird im Anschluss vorgestellt, wie die Ressourcenlage einer Familie über das Einkommen hinaus differenziert betrachtet werden kann. Dies kann bei der Einschätzung der Situation und des Hilfebedarfs helfen. Dabei wird auf den aktuellen Forschungsstand zur sozialen Lage von Familien mit behinderten Kindern Bezug genommen.

Im zweiten Teil des Workshops soll gesammelt werden, wie die sowohl von Behinderung als auch von Armut betroffenen Familien im bestehenden System optimal unterstützt werden können. Die Workshopleitung bringt Impulse aus der aktuellen Fachliteratur mit. Die Teilnehmer*innen berichten, welches Vorgehen sich in der Hamburger Praxis schon bewährt hat und wie sie mit Problemen umgehen.

Zur Person:

Anna Franze, Diplom Erziehungswissenschaftlerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Lehre, HAW Hamburg, BA Bildung und Erziehung in der Kindheit und BA Soziale Arbeit

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WS5Ohne Zweifel geht es nicht-Neuausrichtung im Kontakt mit dem Ungeborenen nach pränataler Diagnose

Judith Hennemann & Dr. Marina Mohr

Das Thema Behinderung bleibt für viele Menschen oft lange abstrakt – bis eine kritische Lebenssituation alles verändert. Eine Diagnose beim Ungeborenen stellt die werdenden Eltern vor eine existentielle Herausforderung. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Lebensperspektiven, ebenso wie Ängste um das Ungeborene erzeugen tiefe Verunsicherung. Die wenigsten Menschen können auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, sodass sich in dieser Situation unbewusst verankerte Glaubenssätze und (Schreckens-) Bilder zu Behinderung bahn brechen.

Im Workshop informieren wir kurz über den aktuellen Stand der Pränataldiagnostik, nähern uns gemeinsam den inneren Bildern und Glaubenssätzen aus theoretischer und gesellschaftlicher Perspektive, öffnen den Raum für einen Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden und thematisieren schließlich die Herausforderungen und Chancen für die Beratung.

Zur Institution:

Cara – Beratungsstelle zu Schwangerschaft und Pränataldiagnostik, Bremen

Zu den Personen:

Judith Hennemann, Diplom Sozialpädagogin, Psychologische Beraterin (IFB), Supervisorin

Dr. Marina Mohr, Soziologin, Systemische Therapeutin und Beraterin (DGSF), Paartherapeutin

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WS 6: Sozialmedizinische Nachsorge – Kooperation und Abgrenzung in den Frühen Hilfen

Katrin Seidel

Die sozialmedizinische Nachsorge unterstützt Familien mit schwer oder chronisch erkrankten sowie frühgeborenen Kindern beim Übergang von der Klinik in den Alltag - insbesondere bei besonderen Unterstützungsbedarfen.

Im Workshop werden Aufgaben, Zielgruppen und Angebote der sozialmedizinischen Nachsorge vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kooperation und Abgrenzung zwischen sozialmedizinischer Nachsorge und Frühen Hilfen gelingen können. Dabei werden Schnittstellen, Überleitungsmöglichkeiten und ergänzende Unterstützungsangebote beleuchtet. Es werden Impulse für eine stärkere Vernetzung und ein besseres Verständnis der Zuständigkeiten im Hilfesystem gegeben.

Zur Person:

Katrin Seidel

Familienkinderkrankenschwester

Sozial- und Gesundheitsmanagerin

Leitung der Sozialmedizinischen Nachsorge Kinderlotse gGmbH

Vorstand im Kinderversorgungsnetz Hamburg

Inklusionserfahrene Mutter

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WS 7: Medizinischer Kinderschutz bei chronisch erkrankten/behinderten Kindern in interdis. Betreuung

PD Dr. Silke Pawils

Familien von chronisch erkrankten und/oder behinderten Kindern sind besonders starken Belastungen ausgesetzt. Es kann vorkommen, dass die familiären Ressourcen nicht ausreichen, um die Herausforderungen des Alltags und der Erkrankung/Behinderung zu meistern. Die Familien benötigen daher häufig spezifische Unterstützungsmaßnahmen, insbesondere, wenn gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung bekannt werden. Medizinische wie auch (sozial-)pädagogische Fachkräfte benötigen krankheitsspezifische Hinweise in praxisnaher und verständlicher Sprache, um diese besonderen Belastungen im Alltag der Familien abschätzen zu können.

Zentraler Bestandteil des Workshops ist die Arbeit mit/am interprofessionellen Leitfaden "Kinderschutz bei chronischer Erkrankung". Dieser richtet sich gleichermaßen an Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe und steht als WebApp seit mehr als 24 Monaten online zur Verfügung. Im Workshop werden die für die Fallarbeit relevanten Hinweise zu über 20 häufigen Krankheitsbildern kurz dargestellt. Gemeinsam werden die Informationen als Handlungsanleitungen und Unterstützung in der Fallarbeit diskutiert und überprüft, ob und wie damit medizinische als auch psychosoziale Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkannt werden können.

Zur Person:

PD Dr. Silke Pawils, Institut für Med. Psychologie am UKE Hamburg

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