Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.

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2014/15 - Forschungsprojekt der BZgA

"Gesundheitsförderung in Lebenswelten - Entwicklung und Sicherung von Qualität"

Gemeinsam mit vielen Partnern aus der Wissenschaft und Praxis hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2014/2015 das Forschungsprojekt „Gesundheitsförderung in Lebenswelten - Entwicklung und Sicherung von Qualität“ durchgeführt.

 

Abschlussbericht des Forschungsprojektes

Der Abschlussbericht stellt eine Bestandsaufnahme der bisherigen rechtlichen Regelungen und der Praxis im Bereich Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung dar und zeigt Ansätze für die Weiterentwicklung auf.

 

Zusammengefasste Handlungsempfehlungen aus dem Abschlussbericht

  • Der bestehenden großen Of­fen­heit für Fra­gen der Qua­li­tät in der Ge­sund­heits­för­de­rung in Lebenswelten bei den Ak­teu­rin­nen und Akteuren sollte entsprochen wer­den. Dies sollte ins­be­sonde­re durch dialogische Verfahren ge­sche­hen mit den Zielen:
 

*För­de­rung des Austauschs über Qua­li­tät der Ge­sund­heits­för­de­rung in­ner­halb der Settings und zwi­schen Settings.
*För­de­rung des Di­a­logs und der Wert­schät­zung von Qua­li­tät der Ge­sund­heits­för­de­rung zwi­schen Trägerstrukturen und Ak­teu­rin­nen und Akteuren in Lebenswelten.
*För­de­rung von Be­ra­tung und Prozessbegleitung zwi­schen Fachkräften in Lebenswelten und Ge­sund­heitsförderstrukturen.

 
  • Fachkräften in Lebenswelten und Ge­sund­heitsförderstrukturen.
  • Eine bundesweite Vernetzung von landesspezifischen Qua­li­tätsnetzwerken bestehend aus Landesvereinigungen für Ge­sund­heit und der Lan­des­ebe­ne der Trägerorganisationen von Lebenswelten (öffentliche Hand, Verbände/ freigemeinnützig, ge­werb­lich/pri­vat) soll angestrebt wer­den.
  • Sinnvoll ist der Aus­bau verbindlicher Koordinationsfunktionen für die Ge­sund­heits­för­de­rung in Lebenswelten auf kommunaler, Stadtteil- und Quartiersebene. Die Durch­füh­rung wechselhafter und punktueller Einzelmaßnahmen al­lein ist hierfür nicht för­der­lich. Settingprojekte, die erst in der Kontinuität wirk­sam wer­den kön­nen, be­dür­fen aber einer kommunalen Vernetzung, ins­be­son­de­re um so­zi­al benachteiligte Grup­pen wir­kungs­voll zu er­rei­chen.
  • Der Auf­bau einer Bund-Länder-Transferstruktur für Qualitätsentwicklung/ Qualitätssicherung der Ge­sund­heits­för­de­rung in Lebenswelten ist er­for­der­lich. Es besteht ein hoher Be­darf an qualitätsfördernden Rah­men­be­din­gung­en, in­ner­halb derer nicht starr einem Top-Down-Modell gefolgt wird, son­dern die of­fen sind für Di­a­log und gemeinsame Entwicklungsprozesse (siehe VIII Abschlussbericht).
  • Die Anschlussfähigkeit von Qua­li­tätssicherungsverfahren und -instrumenten der Ge­sund­heits­för­de­rung an integrierte Qua­li­tätsmanagementsysteme und die da­mit verbundene Im­ple­men­tie­rung in vorhandene Strukturen sollte gewährleistet wer­den, in­dem die Verfahren weiterentwickelt und modularisiert so­wie im Bau­kas­ten­sys­tem angeboten wer­den.
 

Teilprojekt "Settingspezifische Bestandsaufnahme von Qualitätsverfahren auf Länderebene"

Quelle: www.partizipative-qualitätsentwicklung.de

Der Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention zeichnet sich durch eine Vielfalt an Verfahren und Instrumenten der Qualitätsentwicklung und -sicherung aus. Gerade Praktikerinnen und Praktikern fällt es jedoch nicht immer leicht, zu entscheiden, welches Instrument in der jeweiligen Projektphase das richtige ist. Sie stehen dabei oft vor einem Dilemma: Einerseits besteht ein hohes Interesse, die Arbeitsergebnisse und deren Qualität zu sichern und sichtbar zu machen, andererseits werden die entsprechenden Verfahren oft als belastend, aufwendig und wenig praxistauglich empfunden. Nicht zuletzt spielt die Qualitätssicherung auch eine Rolle bei der Entscheidung, welche Projekte in welchem Umfang gefördert werden.

 

Das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geförderte Projekt "Gesundheitsförderung in Lebenswelten - Entwicklung und Sicherung von Qualität" verfolgt das Ziel, vorhandene Ansätze und Instrumente handhabbar und praxistauglich weiterzuentwickeln, um die Qualitätssicherungsverfahren in den Lebenswelten zu verbessern. Dazu werden in den einzelnen Bundesländern Gruppendiskussionen (Fokusgruppen) mit Praxisvertreterinnen und -vertretern der verschiedenen Settings und durchgeführt, die von den Landesvereinigungen koordiniert und organisiert werden. Deren Ergebnisse fließen in die Entwicklung eines praxisgerechten Multiplikatorenkonzeptes zur Qualitätsentwicklung und -sicherung ein.

 

Setting Kommune/Stadtteil/Quartier: Fokusgruppen in Hamburg

Aufbauend auf den Erfahrungen und Vorarbeiten des Paktes für Prävention und der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit führte die HAG im Rahmen des Projektes die Gruppendiskussionen in Hamburg im Setting Kommune durch.

 
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Im Oktober 2014 fanden zwei Fokusgruppen mit Praxisakteuren, Projektverantwortlichen, Koordinator_innen und Fachkräften auf Landes- und kommunaler Ebene statt. Mittels dieses Austausches sollten Erfahrungen, Bedarfe und Bedürfnisse der Hamburger Praxisakteure in der Anwendung von Instrumenten und Verfahren zur QE/QS in der kommunalen bzw. quartiersbezogenen Gesundheitsförderung festgehalten werden. Ziel war es, die unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven zu beleuchten und in die Entwicklung eines Multiplikatorenkonzeptes einfließen zu lassen. Praxisakteure, die nicht an den Treffen teilnehmen konnten, wurden zu ihren Erfahrungen und Bedürfnissen mittels Fragebogen befragt.

Die Fragen beleuchteten

 
  • das eigene Verständnis und die Bedeutung von Qualität in der kommunalen Gesundheitsförderung,
  • Vorgaben und die Anwendung von Instrumenten, Verfahren und/oder Routinen der QE/QS in der täglichen Arbeitspraxis,
  • Kenntnisse von und (förderliche/hinderliche) Erfahrungen mit Instrumenten, Verfahren und/oder Routinen der QE/QS sowie
  • mögliche Maßnahmen für die vermehrte Anwendung und Unterstützungsmöglichkeiten.
 

Zentrale Ergebnisse der Fokusgruppen/Befragung

Fokusgruppe_141030
  • Beziehungsarbeit bzw. Vertrauensbildung sind wichtige Qualitäts- und Erfolgskriterien, aber nur schwer anhand (standardisierter) Indikatoren messbar.
  • (Fach-)Austausch, Netzwerkarbeit (im Team, im Stadtteil) sind wichtige Voraussetzungen für Qualität.
  • Vorhandene publizierte Instrumente sind sehr komplex und zeitaufwendig in der Einarbeitung.
  • "Unschärfen" und teilweise das Voraussetzen eines gewissen Abstraktionsniveaus bzgl. Definitionen und (Fach-)Begriffen erschweren Verständlichkeit und Kommunikation in der Praxisarbeit.
  • Es besteht ein "Missverhältnis" in Bezug auf Qualitätskriterien und deren Gewichtung bei den Stakeholdern (Finanziers, Praxisakteuren, Wissenschaft, Verwaltung etc.).
  • (Kurze) Projektlaufzeiten und unsichere Weiterfinanzierung erschweren, behindern und beeinflussen die QE/QS
  • Umsetzung von QE/QS hängt z.T. von der Einstellung und Bereitschaft der Akteure ab.
 
Titel Regionalkonferenz
 

Regionalkonferenz Hamburg

RK_Plenum

Im Rahmen der Regionalkonferenz am 15. Januar 2015 beschäftigten sich rund 60 Teilnehmende mit den Fragen zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in der kommunalen Gesundheitsförderung. Fazit am Ende des Tages: Es braucht Zeit, einen langen Atem, Orte der Begegnung an dem sich Projektakteure austauschen können sowie eine prozessbegleitende verlässliche Beratungsstruktur, um Qualität in Stadtteilen und Quartieren zu sichern und langfristig zu entwickeln.

 
RK_Vortrag1_Kolip

Zu Beginn machte Frau Professorin Petra Kolip in Ihrem Vortrag deutlich, dass es wichtig sei den Spagat zwischen wissenschaftlicher Evidenz und lokaler Varianz zu meistern. Das gelänge nur, wenn ein kooperativer Dialog auf Augenhöhe stattfindet: Zum einen zwischen Wissenschaft und Praxis, zum anderen zwischen Landes- und Bundesebene.

 
RK_Vortrag2_Lorentz

Im zweiten Vortrag berichteten Professor Alf Trojan und Christian Lorentz über die Praxiserfahrungen mit dem Instrument „Kapazitätsentwicklung im Quartier (KEQ)“. Damit wurden die Struktur- und Kompetenzentwicklung im Verlauf des Gesundheitsförderungsprogramms „Lenzgesund“ gemessen. Trotz einiger methodischer und praktischer Schwächen bildet das Instrument aus Sicht der Praxis wesentliche Aspekte der Realität ab. Die Ergebnisse ermöglichen und fördern die Reflexion und die Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren im Quartier.

 

Im Dialog

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in einzelnen Workshops vertiefend mit den Themen Partizipation in der kommunalen Gesundheitsförderung, Qualität in der Netzwerkarbeit und den Ergebnissen der Fokusgruppen-Gespräche auseinanderzusetzen.

 
RK_Fishbowl2

In der abschließenden Fishbowl-Diskussion tauschten sich Vertreter_innen der Gesundheitsförderung, Hamburger Krankenkassen, Bezirks- und Landesverwaltung und Stadtteil- und Quartiersarbeit zu den Ansprüchen und Perspektiven im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung aus. Am Ende wurde deutlich, dass das gemeinsame Lernen und ein kooperatives Miteinander von professionellen Akteuren wichtige Elemente im Prozess sind. Mit Blick auf die Ressourcen vor Ort müssen Begegnungen ermöglicht und verlässliche Beratungsstrukturen geschaffen werden. Teilhabe der Bewohnerschaft als essentielles Qualitätsmerkmal der kommunalen Gesundheitsförderung gilt es, in allen Projektphasen zu fördern und umzusetzen.

Die Regionalkonferenz Hamburg fand im Rahmen des bundesweiten und von der BZgA geförderten Projektes „Gesundheitsförderung in Lebenswelten – Entwicklung und Sicherung von Qualität“ statt.

Die Präsentationen der Referentinnen und Referenten finden Sie hier.

 
 

Ihre Ansprechpartner

 
Petra Hofrichter
icon: telefon 040 / 2880 364 11
icon: mail Mail senden
 

Abschlussbericht des Forschungsprojektes

"Gesundheitsförderung in Lebenswelten - Entwicklung und Sicherung von Qualität"

icon: dokument Gesamtprojektbericht

 

Bundeskonferenz

Die Dokumentation der Bundeskonfererenz finden Sie hier.

 

Abschlussbericht des Teilprojektes

der Landesvereinigungen für Gesundheitsförderung

icon: dokument Abschlussbericht_Gesamt

 

Ergebnisbericht Hamburg

icon: dokument Abschlussbericht Hamburg

 
 

Soziale Lage

 
Aktualisiert am: 18.10.16